Alchemie – auch Alchymie oder Alchimie genannt

Die Alchemie wird auch Alchymie oder Alchimie genannt. Alchemie hat ihre Herkunft aus der Naturphilosophie und wurde vor mehr als 200 Jahren schrittweise von der modernen Chemie und Pharmakologie übernommen. Weitgehend wird angenommen, dass die Goldynthese/Goldherstellung  und Edelmetallherstellung/Edelmetallsynthese das einzige Ziel der Alchemisten sei. Die Adepten der großen Alchemisten sehen diese Transmutationen jedoch eher als Nebenprodukt einer inneren Wandlung.

 

Aufgabengebiet und Errungenschaften

Ein Ziel der Alchemie war die Transmutation von unedlen Metallen zu Gold und Silber. Bei der Umwandlung der Metalle gab es einen praktischen Teil, der den sorgfältigen Umgang mit den Destillations-, Extraktions-, Sublimationsapparaturen voraussetzte, sowie eine theoretische, religiöse Komponente. Während dieser Umwandlungen sollte sich auch die Seele des Alchemisten läutern und den Mikrokosmos im Makrokosmos widerspiegeln.

Die Himmelskörper bestimmten in früherer Zeit das Leben der Menschen (Tag und Nacht, sowie nach Stellung der Himmelskörper positive oder negative Ereignisse für die Menschen). Die Verknüpfung von Himmelskörpern mit bestimmten Metallen kannte bereits die babylonische Philosophie. So standen die Metalle auch für Himmelskörper: das Gold für die Sonne, das Silber für den Mond, das Eisen für den Mars, das Kupfer für die Venus, das Quecksilber für den Merkur. Jedes Metall stand nun gleichzeitig auch für den Zustand der Seele (Gold = erlöster Zustand, Blei = dumpfer Zustand).

In der griechisch arabischen Alchemie waren die Urelemente Erde, Wasser, Luft und Feuer nach Empedokles bekannt, die für alle Umwandlung verantwortlich waren. Ebenso gab es nach Aristoteles vier Ureigenschaften (warm – kalt, trocken – feucht) die auch eine Entsprechung in der Alchemie hatten.

Weiterhin war die Schwefel–Quecksilber–Theorie für die Alchemisten von Bedeutung. Alle Metalle sollten aus diesen beiden Stoffen hergestellt werden können, dabei war der Schwefel für die Farbe, das Quecksilber für den metallischen Charakter von Bedeutung. Die Transmutation des Alchemisten das Große Werk konnte mehrere Monate oder Jahre dauern.

Unter dem Stein der Weisen verstanden die Alchemisten eine besondere Tinktur, heute würde man dazu Katalysator sagen, der die Umwandlung eines unedlen Metalles zu Gold oder Silber ermöglicht.

Die Gegensatzpaare Körper – Geist, Mikrokosmos – Makrokosmos, Schwefel – Quecksilber, Wasser – Feuer, Erde – Himmel, warm – kalt, trocken – feucht musste der Alchemist so einsetzen, dass sein Großes Werk den Mikrokosmos, den Makrokosmos, die chemischen Elemente, das Himmelsgewölbe, die eigene Seele, die Mitwelt läuterte.

Alchemisten hatten gegenüber Außenstehenden ein strenges Schweigegebot bezüglich ihrer Kenntnisse. Sie bedienten sich einer verschlüsselten Fachsprache, die für Uneingeweihte nicht lesbar war. Viele Geheimnisse wurden nur mündlich den vertrauenswürdigsten Schülern der Alchemie anvertraut. Erst ab 1539 erschienen die ersten Wörterbücher von C. Gesner und A. Libavius für Alchemisten, um das Wissen einer breiteren Zahl von Forschern zugänglich zu machen.

Die Alchemie war nur teilweise von der Idee der künstlichen Herstellung von Gold getrieben, auf der Suche nach dem Stein der Weisen oder dem Universallösungsmittel Alkahest. Auch die Herstellung eines Allheilmittels (Panacea) war ein Ziel der Alchemie. Die Alchemisten, welche immer auch die Astrologie mit einbezogen, waren der Meinung, chemische Elemente könnten ineinander umgewandelt (transmutiert) werden. Grundlegender war man allgemein überzeugt, alle Stoffe seien nicht nur aus Eigenschaften, sondern auch aus Prinzipien aufgebaut (Aristotelischer Hylemorphismus). So war es theoretisch möglich, einen beliebigen Stoff (hyle), vorzugsweise von unedlen Metallen entnommen, mit den edlen Prinzipien (eidos) von Gold oder Silber neu zu gestalten. Das war idealerweise dann möglich, wenn man zuvor dem unedlen Stoff alle unedlen Prinzipien abgenommen hatte und ihn damit empfänglich für neue Prinzipien gemacht hatte. Die eigenschaftslose „prima materia“ und die auf sie übertragbaren und universell anwendbaren Prinzipien, auch oft „quinta essentia“ genannt, waren das eigentliche Forschungsgebiet der Alchemisten. Paracelsus sah im Alchemisten den Künstler, der Stoffe aus der Natur für den menschlichen Gebrauch oder für die Erhaltung der menschlichen Gesundheit umwandelt.

Diese Einschätzungen beruhten auf damals gängigen und auch für nicht-okkulte Forscher bindenden Naturphilosophien. Auch wenn die damaligen Meinungen aus heutiger Sicht abwegig erscheinen, waren derartige Hypothesen allein mangels gangbarer Alternativen zweckmäßige Bindeglieder auf dem Weg zur modernen Naturwissenschaft. Generell war der Übergang von der Alchemie zu den meisten auch heute noch gängigen Materialwissenschaften wie der Metallurgie, der Medizinforschung usw. ein sehr fließender, oftmals nicht vorhandener (siehe auch Planetenmetalle).

Alchemisten befassten sich, im Gegensatz zu gelegentlichen Falschangaben, nur allegorisch mit der Herstellung lebender Kunstwesen (Homunculus, Basilisk). Anklänge an diese okkulten Experimente finden sich beispielsweise noch in Goethes Faust I und Faust II, in Hoffmanns Sandmann und in Meyrinks Golem. Es gibt etliche allegorische Darstellungen, die chemische Elemente personifizieren. Aus der Vereinigung von Mann und Frau wurden etwa Hermaphroditen geboren, die Merkmale beider Ausgangsstoffe trugen. Darunter ist wie oben gesagt nicht die Erschaffung eines künstlichen Wesens gemeint, sondern nur ein chemisches Reaktionsergebnis bildhaft erklärt. Zu diesen Bilderbüchern ist anzumerken, dass es sich meistens um Kunstbücher oder besser Schmuckbände gehandelt hat, die mehr illustrieren denn zu realen Experimenten anleiten sollten.

Wir verdanken der experimentellen Anwendung der Alchemie unter anderem die (Wieder-)Erfindung des Porzellans und Schwarzpulvers in Europa. Das Porzellan zum Beispiel ist ein Abfallprodukt der Suche nach Gold. Ein Alchemist am sächsischen Hof, Johann Friedrich Böttger, rettete sein Leben, indem er seinem Arbeitgeber wenigstens „Weißes Gold“ liefern konnte. Berühmte Alchemisten waren z. B. Vincenzo Casciarolo aus Bologna, der 1604 erstmals einen Phosphoreszenz-Farbstoff herstellte, den sogenannten „Bologneser Leuchtstein” oder „Lapis Solaris”. Diese Entdeckung beförderte Diskussionen über die Natur des Lichtes und führte bereits 1652 zu ersten spektroskopischen Untersuchungen. Der Hamburger Hennig Brand war ein weiterer wichtiger Alchemist. Er entdeckte 1669 den weißen Phosphor und dessen Chemilumineszenz („Phosphorus mirabilis“) und damit die erste Chemilumineszenzreaktion überhaupt. Diese Chemilumineszenzreaktion fand als Mitscherlich-Probe Eingang in die forensische Chemie und ist auch heute noch ein beeindruckendes Experiment.