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Anorganische
Verbindungen
 Komplexe
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Paramagnetische
und diamagnetische Stoffe |
Physikalische
Grundlagen
Es
gibt Stoffe mit para-, dia- und ferromagnetischen Eigenschaften. Für
die Chemie von Bedeutung sind vor allem die ersten beiden:
-
Der Diamagnetismus
ist temperaturunabhängig und dem äußeren Magnetfeld entgegengesetzt
(d.h. die Suszeptibilität ist kleiner als 0). In diamagnetischen Körpern
werden die Feldlinien eines homogenen Magnetfeldes auseinandergedrängt,
im inhomogenen Magnetfeld erfahren die Körper eine Kraft nach außen.
Diamagnetisch sind Stoffe, die nur gepaarte Elektronen besitzen, so dass
sich die magnetischen Momente der einzelnen Elektronen aufheben.
-
Der Paramagnetismus
ist temperaturabhängig und gleichgerichtet mit dem äußeren
Magnetfeld (d.h. die Suszeptibilität ist größer als 0).
In paramagnetischen Körpern werden die Feldlinien eines homogenen
Magnetfeldes zusammengeführt, im inhomogenen Magnetfeld erfahren die
Körper eine Kraft nach innen. Paramagnetisch sind Stoffe, die auch
ungepaarte Elektronen aufweisen, also nicht alle Orbitale voll besetzt
sind.
-
Die Suszeptibilität
ist ein stoffabhängiger Faktor, der ausdrückt, ob bei Einbringung
eines bestimmten Stoffes in ein Magnetfeld jenes verstärkt oder geschwächt
wird durch den Grad der Magnetisierung dieses Stoffes. Im Vakuum ist sie
gleich 0.
Um Aufschluß über
die Besetzung der Orbitale zu erhalten, nutzt man den Paramagnetismus einzelner
Stoffe, dessen Effekt viel stärker ist als der des Diamagnetismus.
Dabei werden unterschiedliche Probesubstanzen in ein inhomogenes Magnetfeld
gebracht und die Auslenkung des felderzeugenden Versuchsmagneten gegenüber
dem Nullpunkt (vor der Einbringung der Stoffe) gemessen.
Komplexe
Hund'sche
Regel
Beispiel für
einen Versuchsablauf:
-
Der Versuchsaufbau besteht
aus einem leicht beweglich gelagerten Versuchsmagneten, (dicht über
einem Aluminiumrahmen, der die Drehschwingung weitgehend dämpfen soll),
an dem ein Spiegel fest angebracht ist.
-
Dieser Spiegel wird
von einem Laserstrahl angepeilt, welcher unter einem eingestellten Winkel
reflektiert und auf der gegenüberliegenden Seite auf einer möglichst
großen Projektionsfläche als Lichtpunkt anzeigt wird. Jener
Punkt wird als Nullpunkt markiert.
-
Um das Erdmagnetfeld
zu kompensieren, kann in die Nähe des Aufbaus noch ein starker Permanentmagnet
gebracht werden. An eine der Kanten des Versuchsmagneten, an denen das
Magnetfeld stark inhomogen ist, wird ein Rahmen angebracht, der nacheinander
die zu untersuchenden Substanzen in Reagenzgläsern aufnimmt.
-
Zehn Reagenzgläser
werden mit folgenden Stoffen gefüllt:
NH4 Fe (SO4)2 *
12 H2O
fast weiße,
nur leicht violett gefärbte Substanz
(NH4)2 Fe (SO4)2
* 6 H2O
helles,
leicht grünlich gefärbtes Doppelsalz
Mohr'sches
Salz
[Cr Cl2(OH2)4] Cl
* 2 H2O
unten
als "CrCl3" bezeichnet
dunkelgrüner,
an der Luft zerfließender ("hygroskopischer") Stoff
Cu SO4 * 5 H2O
intensiv
blau gefärbte Chemikalie
K3 [Fe(CN6)]
orangefarbener
Stoff
Mn SO4 * H2O
reinweisse
Reagenz
Ni (NO3)2 * 6 H2O
dunkelgrün
gefärbter Komplex
Ni Cl2 * 6 H2O
grünes
Salz
Co (NO3)2 * 6 H2O
braune
Chemikalie
K4 [Fe(CN6)]
leicht
gelblich gefärbter Stoff |
-
Unter großer Vorsicht
und - wegen der hohen Empfindlichkeit dieser Messung - mit ruhiger Hand
setzt man die Reagenzgläser nacheinander in die Versuchsapparatur
ein und notiert jeweils den Abstand des Lichtpunktes vom markierten Nullpunkt.
Der Versuch bringt folgende
Ergebnisse für die einzelnen Reagenzien; in der folgenden Tabelle
sortiert nach Anzahl der Elektronen der Zentralionen in den d-Schalen:
| Stoff |
Ausschlag |
Elektronen in der 3d-Schale |
| Cr (III) Cl3 |
- |
3 |
| K3 [Fe (III) (CN)6] |
1 |
5 |
| NH4 Fe (III) (SO4)2 * 12 H2O |
5 |
5 |
| Mn (II) SO4 * H2O |
8 |
5 |
| K4 [Fe (II) (CN)6] |
- |
6 |
| (NH4)2 Fe (II) (SO4)2 * 6 H2O |
3 |
6 |
| Co (II) (NO3)2 * 6 H2O |
4 |
7 |
| Ni (II) (NO3)2 * 6 H2O |
2 |
8 |
| Ni (II) Cl2 |
2 |
8 |
| Cu (II) SO4 * 5 H2O |
1 |
9 |
Die Spalte "Ausschlag"
bezeichnet den relativen Abstand zum Nullpunkt. Ein Strich bedeutet: kein
Ausschlag
Elektronen in der
3d-Schale bezieht sich auf das Zentralion.
Je
weiter der Ausschlag, desto mehr Paramagnetismus weist der Stoff auf, da
der Ausschlag durch das Verschieben des Versuchsmagneten aufgrund der oben
erläuterten physikalischen Eigenschaften herrührt. Um so mehr
halbbesetzte Orbitalschalen besitzt also dieser Stoff. Nach der Hund’schen
Regel versucht jedes gebundene Zentralion seine fünf d-Schalen
so weit wie möglich auszufüllen, auch wenn dies ungepaarte Elektronen
zur Folge hat. Das ist in der Tabelle unten eingetragen.
| Stoff |
Ausschlag |
|
|
|
|
|
| Cr(III) Cl3 |
0 |
/ |
/ |
/ |
_ |
_ |
| K3 [Fe(III) (CN)6] |
1 |
/ |
/ |
/ |
/ |
/ |
| NH4 Fe(III) (SO4)2 * 12 H2O |
5 |
/ |
/ |
/ |
/ |
/ |
| Mn(II) SO4 * H2O |
8 |
/ |
/ |
/ |
/ |
/ |
| K4 [Fe(II) (CN)6] |
- |
X |
/ |
/ |
/ |
/ |
| (NH4)2 Fe(II) (SO4)2 * 6 H2O |
3 |
X |
/ |
/ |
/ |
/ |
| Co(II) (NO3)2 * 6 H2O |
4 |
X |
X |
/ |
/ |
/ |
| Ni(II) (NO3)2 * 6 H2O |
2 |
X |
X |
X |
/ |
/ |
| Ni(II) Cl2 |
2 |
X |
X |
X |
/ |
/ |
| Cu(II) SO4 * 5 H2O |
1 |
X |
X |
X |
X |
/ |
Die nächsten
Spalten zeigen Besetzungsmöglichkeiten der 3d-Schale durch das Zentralion
streng nach der Hund'schen Regel:
-
/: halb besetzt (ein
Elektron)
-
X: ganz besetzt (zwei
Elektronen)
-
-: nicht durch das Zentralion
besetzte d-Schale (kein Elektron)
Komplexe
Low
spin und High spin
Es zeigt sich jedoch,
dass einige Komplexe nicht den Paramagnetismus aufweisen, den sie bei einer
Besetzung der d-Orbitale nach der Hund’schen Regel haben müßten:
So zum Beispiel das
K3[Fe(III)
(CN)6], dem in der Tabelle nur ein geringer Abstand vom Nullpunkt zugewiesen
wurde. Ebenso gilt das für das K4[Fe(II)(CN)6].
Die Vermutung liegt
nahe, dass die beteiligten Liganden (hier sechs Cyanid-Ionen) die freien
Elektronen der d-Schalen des Zentralions paaren. Das Mohrsche Salz zum
Beispiel (NH4)2 Fe (SO4)2 * 6 H2O, mit dem gleichen Zentralion Fe(II),
erfüllt nämlich ganz die Erwartungen.
Aus diesem Grunde
wurden in der nächsten Tabelle die entsprechenden Korrekturen vorgenommen,
mit denen sich der geringe oder nicht vorhandene Paramagnetismus erklären
läßt:
| Stoff |
Ausschlag |
|
|
|
|
|
| K3 [Fe(III) (CN)6] |
1 |
X |
X |
/ |
_ |
_ |
| K4 [Fe(II) (CN)6] |
- |
X |
X |
X |
_ |
_ |
-
Diese Elektronenkonfiguration,
die nicht der Hund'schen Regel entspricht,
wird als magnetisch anomal oder als
low
spin bezeichnet, verursacht durch einen starken Liganden.
-
Alle anderen Konfigurationen
gelten als magnetisch normal, b.z.w.
high
spin, wobei die Zentralionen mit schwachen Liganden gebunden
sind.
-
Die Begriffe High
spin und low spin werden eigentlich erst durch die Ligandenfeldtheorie
vollständig
beschrieben.
Komplexe
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