Redoxreaktionen
Redoxgleichungen
 |
Einrichten von
Reaktionsgleichungen |
Reaktionsgleichungen
in der Chemie beschreiben den Verlauf einer Reaktion.
Es gibt unterschiedliche
Verfahren, anorganische Reaktionsgleichungen einzurichten:
-
Einrichten nach dem
Masseerhaltungssatz bei einfachen anorganischen Reaktionen
-
Einrichten nach dem
Ladungserhaltungssatz bei komplizierteren Redoxreaktionen
Das erste Verfahren
für einfache anorganische Reaktionen findet sich an folgender Stelle:
[Chemieplanet
> Reaktionen > Allgemeine
Chemie > Reaktionsgleichungen]
An dieser Stelle
beschränken wir uns auf das Verfahren mit den Ladungserhaltungssatz.
Dieses eignet sich auch bei komplizierteren Reaktionen.
Einrichten
nach dem Ladungserhaltungssatz
Ebenso, wie bei einer
Reaktion keine Masse verloren gehen kann - von einem kleinen Massedefekt
einmal abgesehen, den Einstein einst postulierte - kann auch keine Ladung
verlorengehen.
Bei einer Redoxreaktion,
also einer Reaktion bei der eine Oxidation
stattfindet, muss gleichzeitig auch eine Reduktion
stattfinden und umgekehrt.
Die in dem Unterkapitel Oxidation
und Reduktion gezeigte Reaktion ist hierfür ein gutes Beispiel:
Magnesium wird oxidiert:
Mg
Mg2+ + 2 Elektronen
Die freiwerdenden
Elektronen gehen jedoch sofort weiter an einen Reaktionspartner. Ladungen
gehen nicht verloren:
Cu2+ +
2 Elektronen
Cu
Wie man sich dies
bei der Einrichtung von Reaktionsgleichungen zunutze machen kann, wird
am Besten an einem Beispiel deutlich. Ein beliebtes Klausur- und Schulbuchbeispiel:
"Kaliumpermanganat oxidiert in schwefelsaurer Lösung Eisen(II)
zu Eisen(III). Stelle die Reaktionsgleichung auf!"
1. Schritt:
Beschreiben von Edukten und Produkten
Kaliumpermaganat und Eisen(II) ergibt Mangan(II) und Eisen(III)
(Die Kenntnis, dass Kaliumpermanganat zu Mangan(II) reduziert wird,
setzt die Literatur dabei oft stillschweigend voraus.)
2. Schritt:
Einsetzen von chemischen Formeln und Einführen der Ionengleichungen
durch Wegstreichen überflüssiger Ionen, die nicht an dem Redoxprozess
beteiligt sind (d.h. sie ändern ihre Oxidationszahlen bei der Reaktion
nicht). In der Regel sind dies Alkalimetalle und Erdalkalimetalle:
-
Kaliumpermanganat: KMnO4
für die folgenden Schritte verwenden wir der Einfachheit halber
die Ionenform MnO4-
-
Mangan(II): Mn2+
-
Eisen(II): Fe2+
-
Eisen(III): Fe3+
-
Um den Sauerstoff aus dem Permanganat kümmern wir uns gleich (O2--Ionen
gibt es bekanntlich nicht, wir formulieren ihn aber in diesem Schritt der
Einfachheit halber erst einmal so).
MnO4- + Fe2+
Mn2+ + 4 O2- + Fe3+
3. Schritt: Ermitteln
der Oxidationszahlen (siehe auch Oxidationszahlen)
+7 -2 +2
+2 -2 +3
Mn O4- + Fe2+
Mn2+ + 4 O2- + Fe3+
| Übrigens nicht verwirrt sein: Bei einigen wenigen Beispielen sind
sogar Brüche für Oxidationszahlen möglich. Das liegt dann
daran, dass sich die Elektronen nicht gleichmäßig auf die Atome
verteilen. Im nächsten Schritt dürfen dafür auch halbe und
gedrittelte Elektronen verwendet werden. Aber bitte dann vor Ermittlung
der Ladungsbilanz (5. Schritt) die entsprechende Teilgleichung mit dem
Nenner der Elektronenzahl multiplizieren, damit im Endergebnis keine gevierteilten
Elektronen stehen bleiben! |
4. Schritt:
Aufteilen der Gesamtreaktion in Teilgleichungen für Oxidation und
Reduktion
Reduktion: Erniedrigung der Oxidationszahl
Es werden Elektronen zur Reduktion benötigt, daher steht die Zahl
der benötigten Elektronen auf der Eduktseite links.
Die Differenz der Oxidationszahlen, multipliziert mit eventuellen Koeffizienten
und tiefgestellten Zahlen ergibt die Zahl der benötigten Elektronen.
+7 -2
+2 -2
Mn O4- + 5 Elektronen
Mn2+ + 4 O2-
Oxidation: Erhöhung der Oxidationszahl
Es werden Elektronen bei der Oxidation abgegeben, daher steht die Zahl
der abgegebenen Elektronen auf der Produktseite rechts.
Die Differenz der Oxidationszahlen, multipliziert mit eventuellen Koeffizienten
und tiefgestellten Zahlen ergibt die Zahl der abgegebenen Elektronen.
+2 +3
Fe2+
Fe3+ + 1 Elektron
(Faustregel: Auf die Seite, in der die höhere relevante Oxidationszahl
steht, wird auch die Zahl der Elektronen geschrieben. In dem Beispiel oben
ist der Sauerstoff beispielsweise nicht relevant; er ändert seine
Oxidationszahl nicht. Relevant sind Mangan und Eisen)
5. Schritt:
Ladungsbilanz
Es werden, wie oben besprochen, ebensoviele Elektronen abgegeben wie
aufgenommen. Die Ladungsbilanz stimmt also noch nicht:
|
Oxidation |
Reduktion |
| Zahl der Elektronen |
1 |
5 |
Die Gleichung der Oxidation muss also mit 5 multipliziert werden, damit
die Gleichung stimmt.
MnO4- + 5 Elektronen
Mn2+ + 4 O2-
5 Fe2+
5 Fe3+ + 5 Elektronen
MnO4- + 5 Fe2+
Mn2+ + 4 O2- + 5 Fe3+
Die Zahl der Elektronen fällt jetzt weg, da auf beiden Seiten das
Gleiche steht.
Jetzt stimmt nämlich die Ladungsbilanz:
|
Oxidation |
Reduktion |
| Zahl der Elektronen |
5 |
5 |
6. Schritt:
Ausgleich von Wasserstoff und Sauerstoff
Es gibt bekanntlich keine freien O2--Ionen. Jetzt gibt es
einen Trick: Diese Reaktion spielt sich in Lösung ab. Und in Lösung
steht Wasser in verhältnismäßig unbegrenzter Menge zur
Verfügung, und damit auch H3O+ (Oxoniumionen, oft
auch vereinfacht nur als H+ geschrieben) und OH- Ionen, die durch
Autoprotolyse des Wassers gebildet werden.
Faustregeln für den Umgang mit freien O2--Ionen:
In saurer Lösung (Schreibweise "H+" für Oxoniumionen):
-
Jedes O2- ersetzen durch H2O
-
Andere Seite des Rktpfeils:
2 H+-Ionen je freiem O2-
einfügen
|
2 H+ + XO
X2+ + H2O |
In saurer Lösung (Schreibweise "H3O+" für
Oxoniumionen):
-
Jedes O2- ersetzen durch
3 H2O
-
Andere Seite des Rktpfeils:
2 H3O+-Ionen je freiem O2-
einfügen
|
2 H3O+ + XO
X2+ + 3 H2O |
In neutraler Lösung:
-
entweder wie saure oder wie basische Lösung.
|
H2O + XO
X2+ + 2 OH- |
In basischer Lösung
-
Jedes O2- ersetzen durch 2
OH-
-
Andere Seite des Rktpfeils:
H2O je freiem O2- einfügen
|
H2O + XO
X2+ + 2 OH- |
In diesem Falle:
MnO4- + 5 Fe2+
Mn2+ + 4 O2- +
5 Fe3+
wird mit der Information aus der Aufgabenstellung "in saurer
Lösung" zu:
MnO4- + 5 Fe2+ + 8
H+
Mn2+ + 4 H2O
+
5 Fe3+
7. Schritt:
Zur Kontrolle noch einmal Ladungsbilanz
Eduktseite: 1*(-1) + 5*(+2) + 8*(+1) = -1 + 10 + 8 = 17
Produktseite: 1*(+2) + 5*(+3) = 2 + 15 = 17
|
Edukte |
Produkte |
| Summe der hochgestellten Ladungen |
+17 |
+17 |
Stimmt. Fertige Ionengleichung:
MnO4- + 5 Fe2+ + 8 H+
Mn2+ + 4 H2O + 5 Fe3+
Die nächsten Schritte können für das Verständnis
erst einmal ausgeklammert werden...
| 8. Schritt:
Überführen der Ionengleichung in eine vollständige Reaktionsgleichung
MnO4- + 5 Fe2+ + 8 H+
Mn2+ + 4 H2O + 5 Fe3+
wird durch Ersetzen von:
-
MnO4- durch KMnO4 (Formel für Kaliumpermanganat)
-
H+ durch H2SO4 (Bei Redoxvorgängen
mit KMnO4 wird normalerweise immer Schwefelsäure verwendet;
auf keinen Fall Salzsäure, weil dadurch giftiges Chlorgas entstehen
würde!)
-
Fe2+ durch FeSO4 (ist am einfachsten, weil SO42--Ionen
ja durch die Schwefelsäure bereits im Überschuss vorhanden sind.)
-
Fe3+ durch 1/2 Fe2SO3
(irgendwo müssen die SO42--Ionen ja hin...)
zu der Reaktionsgleichung (mit Hilfe des Masseerhaltungssatzes):
KMnO4 + 5 FeSO4 + 4 H2SO4
MnSO4 + 4 H2O + 2,5 Fe2(SO4)3
+ 0,5 K2SO4
Masseerhaltung gewährleistet:
|
Edukte |
Produkte |
| K |
1 |
1 |
| Mn |
1 |
1 |
| O (ohne SO4) |
4 |
4 |
| Fe |
5 |
5 |
| SO4 |
9 |
9 |
| H |
8 |
8 |
Zum Masseerhaltungssatz
siehe auch:
[Chemieplanet
> Reaktionen > Allgemeine
Chemie > Reaktionsgleichungen]
Dieser Schritt ist oft ein schwieriger Schritt, weil hier wirklich chemisches
Hintergrundwissen verlangt wird, z.B. in diesem Beispiel, dass zusammen
mit Kaliumpermanganat Schwefelsäure eingesetzt werden muss. Dieser
Schritt ist deshalb oft gar nicht verlangt.
9. Schritt:
Ganzzahlige Koeffizienten
Multiplikation mit 2:
2 KMnO4 + 10 FeSO4 + 8 H2SO4
2 MnSO4 + 8 H2O + 5 Fe2(SO4)3
+ K2SO4 |
Fertig!
Ermitteln von Reaktionsgleichungen
nach dem Masseerhaltungssatz findet sich an folgender Stelle:
[Chemieplanet
> Reaktionen > Allgemeine
Chemie > Reaktionsgleichungen]
Weitere nützliche
Hinweise zu Reaktionsgleichungen finden sich auf folgenden Internetseiten:
INFO:
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Redoxreaktionen
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