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Der Acetessigsäureethylester (kurz Acetessigester), oder im folgenden Text mit der Abkürzung A.e. bezeichnet, wird im allgemeinen mit der folgenden Struktur angegeben (Ketoform): CH3 - C
- CH2 - C - O - C2H5
Übrigens ist die angenehm riechende Flüssigkeit (Siedepunkt 181°C) nach den gültigen Nomenklaturregeln ein ß-Keto-carbonsäure-ester, weil am rot eingezeicheten ß-Kohlenstoffatom (d.h. das zweite Kohlenstoffatom relativ zu dem am höchsten oxidierten Kohlenstoffatom) eine Ketogruppe vorhanden ist. Die Ester der ß-Ketosäuren sind relativ beständig im Gegensatz zu den ß-Ketosäuren selbst, deren C-C-Bindung leicht gelöst werden kann. Diese als Ketoform bezeichnete Struktur in der ersten Formel steht im Gleichgewicht zu der folgenden Struktur, sogenannten (mesomeriestabilisierten) Enolform: H
Das Vorhandensein zweier im Gleichgewicht stehenden Molekülformen, die sich nur durch die Stellung des Protons (mit entsprechender Verschiebung der Bindungen) unterscheiden, wird als Tautomerie bezeichnet. 1. Versuchsteil: Komplexbildung mit Acetessigester-Liganden Bei diesem Versuch werden Fe(III)-Komplexe und Cu(II)-Komplexe, jeweils mit A.e.-Liganden gebildet und darauf Schlussfolgerungen auf den chemischen Aufbau von A.e. gezogen.
Bei der Reaktion des FeCl3 mit A.e. wird eine deutliche rote Farbreaktion beobachtet; auch dies ist eindeutig mit einer Komplexbildung zu deuten. Bei Hinzugeben kleiner Mengen an Bromwasser beobachtet man, dass die vormals tiefrote Lösung zunächst gelblich klar, schließlich farblos wird. Nach einiger Zeit nimmt die Lösung wieder die rote Färbung des Komplexes an. Gibt man wieder einige Tropfen Bromwasser hinzu, wiederholt sich dieser Effekt. Es bildet sich langsam ein ölig-seifiger Niederschlag. Der A.e.-Komplex muss also aufgeschlossen worden sein, was das Verschwinden der roten Farbe erklärt; elementares Brom bindet sich durch Addition jedoch nur an C=C-Doppelbindungen (eine radikalische Substitution kann wegen der Lichtverhältnisse ausgeschlossen werden). Aus dem Versuchsergebnis kann geschlossen werden, dass Fe3+ (welches übrigens als Nachweismittel für Enole dient) nur mit der Enolform einen Komplex bildet, weil Brom ja nur an die Enolform mit der vorhandenen C=C-Doppelbindung addiert werden kann: Br H
H-Br H
(mesomeriestabilisiert) Bildete Fe3+ sowohl
mit der Ketoform, als auch der Enolform einen
Komplex im Gleichgewicht, wäre die schlagartige und vollständige
Entfärbung der Lösung nicht zu erklären (zumindest müsste
der Komplex der Ketoform in so geringer Konzentration vorhanden sein, dass
er auf die Farbgebung keinen sichtbaren Einfluss hat).
2. Versuchsteil: Spaltung des Acetessigesters in Natronlauge Mit diesem Versuch soll das chemischen Verhalten von A.e. zum einen in verdünnter, zum anderen in konzentrierter Natronlauge (NaOH-Lösung) verglichen werden.
Es findet also eine Bindungsspaltung statt. Im Falle der verdünnten NaOH-Lösung findet eine klassische Verseifung statt, denn die stark nucleophilen OH–-Ionen greifen den Ester an dem am höchsten oxidiertesten (d.h. am meisten positiviertesten) C(+3) -Atom an.
OH
Nach der bisherigen Erfahrung über die Esterspaltung könnte folgendermaßen gespalten werden:
O-
(mesomeriestabilisiert) Die Überlegung, dass die C-O-R-Bindung wegen des Elektronenschubs von Seiten des Ethylrestes kaum polar ist, zum anderen von Seiten des Alpha-C-Atoms kein stabilisierender +I-Effekt zu erwarten ist (schließlich zieht zum einen die ß-Ketogruppe am Alpha-C-Atom Elektronen, was den +I-Effekt auf das zentrale C-Atom stark mindert, zum anderen sitzen von Seiten der OH–-Gruppe bereits überschüssige negative Ladungen an dieser Stelle), führt zu dem Schluss, dass es auch andere Möglichkeiten der Bindungsabspaltung geben muss. Nach bekanntem Muster würde die Abspaltung der C=O-Bindung oder der C-OH-Bindung wieder zum Edukt führen, was aus diesem Grunde wieder vernachlässigt werden kann. Es bleibt nur die Spaltung der C-C-Bindung. Sehr wahrscheinlich hingegen ist die Bildung der folgenden Produkte, die aus einer anderen Bindungsspaltung hervorgehen:
H HO
H HO HO - C2H5
(mesomeriestabilisiert)
CH3 - C - CH3 CO2 H-O-H
HO - R
Wenn man die Reaktionsschritte näher betrachtet, fällt auf, dass nach Zerfall dieses Esters Acton und CO2 schnell gebildet werden könnten. Im Versuchsverlauf müsste also nach Ansäuerung mit verdünnter H2SO4-Lösung eine Gasentwicklung beobachtet werden, und die Lösung schließlich nach Aceton riechen. In der Literatur wird genau diese Reaktion bestätigt. Die Ausbildung mehrerer Phasen ist mit der schweren Löslichkeit polarer und unpolarer Flüssigkeiten ineinander zu erklären. Die
Reaktion mit der konzentrierten Natronlauge hat das Ergebnis zur Folge,
dass die Flüssigkeit nach Hinzugabe der verdünnten H2SO4-Lösung
einen Geruch von Essigsäure annimmt.
OH
OH
O - C2H5
O-
O- OH-C2H5
(mesomeriestabilisiert) Dieser Reaktionsmechanismus
würde das Versuchsergebnis bestätigen.
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