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| . | Geschichte der
Chemie
Etwa im 4. Jahrhundert nach Christus verlor die griechische Wissenschaft an Bedeutung. Statt dessen übernahmen die Araber viele Ideen der Ägypter und begründeten daraus die Alchimie (Alchemie). Über die genaue Bedeutung dieses Wortes gibt es im übrigen nur Spekulationen. Auf dem Umweg über die Araber kam die Alchimie mit der Überfahrt nach Spanien im Jahr 711 nach Europa. Im Jahr 929 blühte die Alchimie mit dem Kalifat von Córdoba im Zusammenhang mit der islamisch-maurischen Kultur. Die Leibärzte der Kalifen stellten die ersten Textsammlungen zusammen. Vorher bekannte Werke waren die 'Schriften des Zosismos' und das 'opus alchymicum', welches die Nestorianer (eine christliche Sekte) in den syrischen Kulturkreis übertrugen. Im Islam galt Hermes-Trismegistos als der Uralchimist. Das hermetische Gedankengut stand im engen Zusammenhang mit den geistigen Ideen des Islam. Für den Schöpfer wie für den Alchimisten galten die gleichen Naturgesetze.Die meisten der frühen Alchimisten glaubten daran, alle Metalle wären aus den selben Grundstoffen, der 'tria prima' zusammengesetzt:
Im 10. Jahrhundert waren bereits das Arbeiten mit Schwefel, Quecksilber, Arsen, Ammoniak und Salpetersäure bekannt. Wichtige Entdeckungen waren u.a. Produkte wie Pottasche oder der Kalilauge. Auch dass mit Scheidewasser (Salpetersäure) Gold von Silber getrennt werden konnte, wurde bekannt. Man beherrschte chemische Techniken, wie Destillation, Sublimation und Kristallisation. In der Tat verraten auch heute noch viele Stoffe ihre arabische Herkunft, wie Al-kohol, Al-kali, Al-aun.Auch andere Kulturkreise kannten eine Art Alchimie: In China sollte das Trinken von Goldtinkturen und das Verzehren von Zinnober den Alchimisten den Göttern gleich machen. Auch dort glaubte man an Kräuter der Unsterblichkeit oder Elixiere der Jugend. Ähnlich wie in Griechenland Aristoteles glaubte man auch in China daran, dass im Schoße der Erde die Mineralien nachwachsen, sich ineinander und schließlich in Gold verwandeln können. In einem Text aus dem Jahr 122 v. Chr. heißt es, dieses Gold sei von kaiserlichem Charakter und befinde sich im Mittelpunkt der Erde. Der altchinesische Alchimie wird die Entdeckung des Salpeters zugeschrieben, den man dort schon sehr früh kannte. Zwischen dem 6. und 9. Jahrhundert fanden vermutlich taoistische Alchimisten bei der Suche nach dem Elixier der Unsterblichkeit die "Feuerdroge", das Schießpulver. Bekannt auch als chinesisches Feuer. Bereits um 900 erfand man Bomben und Granaten, um 1200 Gewehre und Geschütze.Das erste friedliche Feuerwerk in China wird exakt auf das Jahr 1103 datiert. Die Araber betrieben über den Seeweg intensiven Handel mit China und so kam das Schießpulver schließlich nach Europa.
Über die Jahrhunderte islamischer Herrschaft in Spanien war wegen der großen Toleranz gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften die jüdische Religion noch stark verbreitet. Um das Jahr 1000 entstand die Lehre der Kabbala; die jüdische Religion erfuhr eine stark mystische Entwicklung. Im Jahr 1031 stürzte der letzte Kalif von Córdoba; die Spanier eroberten im Rahmen der Reconquista die Iberische Halbinsel wieder zurück. Das führte zu einer Ausbreitung der kabbalistischen Juden über Spanien und Südfrankreich. Ein wesentliches Ziel der Alchimie war die Suche nach dem Stein der Weisen. Aus ihm versuchte man ein Elexier zu gewinnen. Diejenigen, die davon trinken, gewinnen ein ewiges und von Krankheiten geschütztes Leben. Obwohl der Stein der Weisen nie gefunden wurde, wurden doch eine Reihe von chemischen Synthesen bekannt, so z.B. von Ammoniak, Schwefelsäure, Salpetersäure, Königswasser (eine Mischung aus Salz- und Salpetersäure) und Ethanol. Nach und nach entstanden durch Übersetzung der arabischen Texte christliche Abhandlungen über die Alchimie. Später wandte man sich auch den Schriften des Aristoteles zu. Seit 1200 gehörte die Alchimie fest zum Kulturgut des christlichen Abendlandes. Die christlichen Verfasser vieler Schriften sind bis heute unbekannt, weil sie oft berühmteren Zeitgenossen zugeschoben wurden. Bekannte christliche Alchimisten waren Roger Bacon, Basilio Valentin und Albertus Magnus. Man sah in chemischen Prozessen Parallelen zu den Leiden, Kreuzigung und Auferstehung Christi.
Spätestens 1492, das Jahr der Fahrt Columbus nach Nordamerika, als alle Juden entgültig aus Spanien vertrieben wurden, verbreitete sich die kabbalistische Alchimie in ganz Europa. Eine wichtige Rolle der Kabbala spielte die Buchstaben- und Zahlenmystik. So waren aufgeschriebene chemische Substanzen vielfach von ungeheurer Symbolik und Mystik. Wechselnde Codierungen erschwerte unbefugten Lesern das Verstehen alchimistischer Texte deutlich. Alchimistische Texte wurden immer häufiger in den Landessprachen übersetzt und nicht mehr nur in Latein gehalten. Häufig waren die Alchimisten Mönche, worunter sich insbesondere der Orden des Hl. Franziskus hervortat. Immer häufiger wurden alchimistische Aktivitäten verboten. Im Jahr 1317 erließ Papst Johannes XXII eine Bulle gegen die Alchimie. Diesem Papst sagte man im übrigen nach, heimlich selbst alchimistische Studien betrieben zu haben und so zu ungeheurem Reichtum gelangt zu sein. In der prosaischen Literatur wurde die Figur des Alchimisten zunehmend negativ besetzt. Dennoch fand alchimistische Literatur mit der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg zunehmend den Weg in die breiten Käuferschichten. Noch etwas: Die Bereitung der Druckfarben und die Metallurgie der Lettern waren bedeutende Probleme der Chemie im ausgehenden Mittelalter. Die Alchimie war nicht länger eine Geheimlehre.
Interessante Aspekte
zu der Alchemie finden sich auch auf den folgenden Internetseiten:
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